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In Teil 2 waren wir in die 500 Seiten eingestiegen.

Das war der “Stand der Forschung”: Hoffmann entwickelte einen Faschismus eigener Prägung, war kein klassischer “3.Reich-Nazi”, und lockte viele Jugendliche und Nationalisten an, mit Hilfe auch und gerade der Medien.

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Teil 3: Das Kapitel   3. Ideologie der Wehrsportgruppe Hoffmann

Vorbemerkung: Hoffmann schreibt, es habe die gar nicht gegeben, die einheitliche Ideologie.

Selbstdarstellung:

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Hoffmann selbst hatte jedoch eine:

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Im Gespräch mit dem ‚Vorwärts‘ macht Hoffmann klar, was er am NS-Staat gut
und was er schlecht findet. Er schätzt das Führertum. Doch der Nationalsozialismus habe das Führerprinzip um zwei Bestandteile erweitert: „Um die Rassentheorie und um die Bodenerwerbstheorie mit dem Gedanken vom ‚Volk ohne Raum‘: Beides lehne ich ab“ . (‚Vorwärts‘, 9.1.1975)

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Hoffmann sieht sich selbst als Patrioten, und befürwortet die Wiederherstellung Deutschlands in den Grenzen vom 1.9.1939, also mit Österreich:

„Das 3. Reich war nicht nur Rechtsnachfolger des ehemaligen deutschen Kaiserreiches sondern durch den friedlichen Zusammenschluß mit Deutsch-Österreich auch eindeutig der Rechtsnachfolger der ehemaligen österreichisch-ungarirschen Donaumonarchie. Im Zuge dieser, den Nationalisten zustehenden Rechtsanspruche hatte Hitler dama1s – stellvertretend für das deutsche Volk – nicht nur die Einverleibung der Tschechoslowakei fordern dürfen, sondern er hätte darüberhinaus auch einen legitimen Anspruch auf alle weiteren zum ehemaligen österreichisch-ungarischen Kaiserreich gehö-
renden Gebiete gehabt.“ (‚Kommando‘, Juli 1979, S. 8)

Ah ja…

Hoffmanns geographischer Gegenentwurf zu den bestehenden Staatsgrenzen hat konkrete Konturen. Im Gespräch mit dem ‚Stern‘ fordert er Österreich „heim ins Reich“, ebenso die „geraubten Ostgebiete“ und vorher die  Wiedervereinigung mit der „Zone“- (‚Stern‘, 28.2.1974)

Die Zone hat uns ja mittlerweile einverleibt, möchte man anmerken. Gauck und Merkel, danke, soviel Zone wollten wir nie…

Die Österreicher und die Ostgebiete, fatalist empfiehlt zunächst die Reconquista der Scharia-Zonen deutscher Großstädte. Das ist Aufgabe genug…

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Antiamerikanismus
Hoffmanns Feindbild Nummer eins sind die Vereinigten Staaten von Amerika und
die sogenannte „internationale Hochfinanz“ . Besonders stört ihn die angebliche militärische Dependenz Deutschlands, in der er die Ursache aller anderen Abhängigkeiten festmacht:

„Die wirklichen Feinde des deutschen Volkes sind für uns leider unangreifbar, weil sie
nicht offen in Erscheinung treten. Unser Unglück kommt von Übersee. Wir sind auch
heute noch ein besetztes Land und völlig in der Hand der Vereinigten Staaten von Amerika.“ (Hoffmann, Verrat und Treue, S. 101)

Da würde ihm nicht nur Willi Voss zustimmen. Auch Jürgen Elsässer, und fatalist.

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Antikommunismus
Ähnlich wie die Nationalrevolutionäre mit ihrer Idee eines „Dritten Weges“ wendet sich Hoffmann gegen Kommunismus und Kapitalismus. Die Sowjetunion wird
neben den USA für den angeblichen kulturellen Niedergang Europas verantwortlich gemacht.

1975 sicher nicht ganz falsch. Die Berliner Mauer stand.

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Demokratiefeindlichkeit und Ablehnung des Parlamentarismus

In seinem Buch „Gedanken und Verse eines deutschen Patrioten“ bezeichnet
sich Hoffmann als „Gegner jeder Spielart demokratischer Ordnungen“ (S . 3)

Demokratie setzt kritische Öffentlichkeit voraus. Als „Nebenprodukt“ der Abschaffung der demokratischen Grundordnung strebt Hoffmann an, die Arbeit der Medien zu kontrollieren und die Pressefreiheit einzuschränken: „Wenn Ordnung  in den Saftladen gebracht werden soll, dann muß die Presse an die Kette gelegt werden.“ (‚General-Anzeiger‘, 27 .9.1984) Die Schuld liegt nach Hoffmanns Auffassung im zu weitreichenden deutschen Pressegesetz. In seinem Gedichtband schreibt er:
„Das Pressegesetz gtbt den Hintermänndern der Massenmedien die uneingeschränkte Möglichkeit, durch dauernde demagogische Beeinflussung jede gewünschte  Meinungstendenz unter den Massen zu erzeugen.“ (Hoffmann 1973 , S. 76)

Lügenpresse stimmt schon, das kann man nicht bestreiten, aber das Kind mit dem Bade auszuschütten ist keine Lösung.  Direkte Demokratie wie in der Schweiz ist dem BRD-Parlamentarismus sicher vorzuziehen.

Ohne „brauchbare Medien“ funktioniert allerdings auch die direkte Demokratie nicht wirklich. Aber besser als das, was ist.

Demokrat ist Hoffmann also nicht. Rassist auch nicht, moderner Faschist schon eher. Was hat er gegen das Schweizer Modell?

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War denn nun die gesamte WSG, 400 Leute, was Hoffmann war? Darf man das gleichsetzen?

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Auch Hoffmann versucht, die wahren Inhalte seiner Ideologie zu entschärfen und stellt sich gerne als radikaler Systemkritiker dar, der jedoch generell das Grundgesetz anerkennt. So schreibt er in der Entgegnung zur WSG-Verbotsverfügung, bei seiner Wehrsportgruppe handele es sich lediglich um einen „Feierabendverein“ . Auch fehle es an einem „kämpferisch-aggressiven Handlungswillen“.

Bei einem Vortrag am 29.10.1976 habe er ferner „ausdrücklich erklärt, er  erkenne die Gesetze der Bundesrepublik Deutschland voll an.“ (Bundesverwaltungsgericht, BVerwG, 1 A 3 .80, 25.11.1980, S.9) In diesem Zusammenhang
sagt er: „Ich bin nie davon ausgegangen, daß man in unserem Land einen gewaltsamen Umsturz betreiben könnte.“ Er habe zwar alle verfügbare Revolutionsliteratur gelesen, wie etwa Che Guevara und Mao Tsetung. In der Bundesrepublik bestehe aber keine Aussicht auf Erfolg, da die eigentliche Machtzentrale in Washington liege. (‚General-Anzeiger‘, 27 .9.1984)Dieser Argumentation folgen die Richter des Bundesverwaltungsgerichts nicht.

Hoffmann sieht seine Einwände, er erkenne „die heutigen Gesetze der Bundesrepublik voll an“, als „widerlegt“ . (Bundesverwaltungsgericht, BVerwG, 1 A 3 .80, 25 .11.1980, S. 36)

Die Ideologie der „Wehrsportgruppe Hoffmann“ ist der fdGO diametral entgegengesetzt. So präsentiert sich die WSG als politische Kraft, die
die parlamentarische Demokratie und ihre Repräsentanten ablehnt, und sich als
Speerspitze eines Umsturzes begreift. Die Frage, ob es sich bei der Hoffmann Gruppe also nur um einen „radikalen“ Verband handelt, muß negiert werden.

Alles Andere wäre auch kaum zu erwarten gewesen. Der Antiamerikanismus Hoffmanns, und seine Feststellung der Nichtsouveränität der BRD war für Bonn viel gefährlicher, als es die Ablehnung der parlamentarischen Demokratie war. Das gilt bis heute. Die Gefahr für die BRD als System ist die Wiederherstellung der deutschen Souveränität, verbunden mit Neutralität und Abzug der Besatzertruppen.

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Auch ein „globaler Herrschaftsanspruch“ kann Hoffmann nicht zugesprochen
werden. Dementgegen möchte er Deutschland unter Anschluß von Österreich und
den „Ostgebieten“ handstreichartig in eine Diktatur verwandeln. Folglich kann die
„Wehrsportgruppe Hoffmann“ als eine der wenigen deutschen rechtsextremistischen Nachkriegsorganisationen als „neofaschistisch“ bezeichnet werden, während der Begriff  „neonazistisch“ zu verwerfen ist.

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Okay, das hätten wir geklärt: Kein Neonazi, aber auch kein Demokrat.

Kein Rassist.

Ende Teil 3.

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