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… ist etwas grösser als der europäische Balkan, meint Brzezinski:

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Die kritische Zone umfasst auch Teile Afrikas, Ägypten gehört kaum zu Eurasien… Vorderasien nennt man das auch mal:  https://de.wikipedia.org/wiki/Vorderasien

Brzezinski meint dazu:

Der eurasische Balkan bildet den inneren Kern dieses gro-ßen Rechtecks und unterscheidet sich von seinem äußeren Umfeld durch ein besonderes Merkmal: Er ist ein Machtvakuum. Zwar sind auch die meisten Staaten der Golfregion und im Nahen Osten alles andere als stabil, doch üben im Endeffekt die USA dort eine Schiedsrichterfunktion aus. Die instabile Region steht mithin unter der Hegemonie einer einzigen Macht, die  einen mäßigenden Einfluß ausübt. Im Gegensatz dazu erinnert der eurasische Balkan wirklich an den uns aus der Geschichte dieses  Jahrhunderts vertrauteren Balkan in Südosteuropa:  Die dortigen Staaten sind nicht nur hochgradig instabil, ihre Lage und  innenpolitische Verfassung fordern die mächtigen Nachbarn zum Eingreifen geradezu heraus, und jeder widersetzt sich mit Ent-schlossenheit den Bestrebungen der anderen, die Vorherrschaft in der Region zu erlangen. Es ist dieses wohlvertraute Phänomen des Machtvakuums mit der ihm eigenen Sogwir-kung, das die Bezeichnung eurasischer Balkan
rechtfertigt.

Zum „mässigenden Einfluss“ der USA auf die Steinigungs- und Handabhackerstaaten im Nahen Osten muss ich irgendwas falsch verstanden haben. Saudiarabien gehört zu den miesesten Staaten dieser Erde, ganz besonders dessen Steinzeitreligion… ein Exportschlager bis zu den Salafisten nach Mitteleuropa.

Der Eurasische Balkan ist deshalb (nicht nur für das Anwaltsbüro von Ex-US-Aussenminister James Baker…) so interessant, weil es dort gewaltig viel Öl und Gas gibt: Irak, Libyen, Iran…

Schon jetzt ruft der wirtschaftliche
Aufschwung in Asien einen massiven Ansturm auf die Erforschung und Ausbeutung neuer Energievorkommen hervor, und es ist bekannt, daß die zentralasiatische Region und das Kaspische Becken über Erdgas- und
Erdölvorräte verfügen, die jene Kuwaits, des Golfs von Mexiko oder der Nordsee in den Schatten stellen.

Es geht selbstverständlich darum, diese Staaten zu beherrschen. Und die Pipelines.

Der eurasische Balkan besteht aus neun Ländern, auf die die obige Beschreibung mehr oder weniger zutrifft, und viel-leicht kommen bald zwei weitere Staaten hinzu. Die neun Länder sind Kasachstan, Kirgistan,
Tadschikistan, Usbekistan, Turkmenistan, Aserbaidschan, Armenien und Georgien — alle gehörten einst zur früheren Sowjetunion — sowie Afghanistan. Die beiden Länder, die man hinzuzählen könnte, nämlich die Türkei und der Iran, sind politisch und wirtschaftlich wesentlich lebensfähiger; beide bemühen sich aktiv um regionalen Einfluß innerhalb
des eurasischen Balkans und stellen somit wichtige geostrategische Akteure in der Region dar. Zugleich sind beide für ethnische Konflikte anfällig. Käme es zur Destabilisierung eines dieser Staaten oder auch beider, wären die internen Probleme der Region nicht mehr zu steuern, und selbst eine regionale Vorherrschaft der Russen könnte dann womöglich nicht mehr verhindert werden.

Daher müssten die USA was genau tun?

Die USA sind zwar weit weg, haben aber starkes Interesse an der Erhaltung eines geopolitischen Pluralismus im postsowjetischen  Eurasien. Als ein zunehmend wichtiger, wenn auch nicht direkt eingreifender Mitspieler, der nicht allein an der Förderung der Bodenschätze in der Region interessiert ist, sondern auch verhindern will, daß Rußland diesen geopo-litischen Raum allein beherrscht, halten sie sich
drohend im Hintergrund bereit.

Das war 1997. 2015 ist man schon weiter.

Genau diese Überlegung hat der Pipeline-Frage für die Zukunft des Kaspischen Beckens und Zentralasiens eine so zentrale Bedeutung verliehen. Falls die wichtigsten Ölleitungen in die Region weiterhin durch russisches  Territorium zum russischen Absatzmarkt am Schwarzen Meer in Noworossijsk verlaufen, werden sich die politischen Konsequenzen, auch ohne daß die Russen die Muskeln spielen lassen, bemerkbar machen. Die Region wird eine politische Dependance bleiben und Moskau darüber entscheiden können, wie der neue Reichtum der Region verteilt werden soll. Wenn jedoch umgekehrt eine andere Pipeline übers Kaspische Meer nach Aserbaidschan verläuft und von dort durch die Türkei zum Mittelmeer und eine weitere durch den Iran zum Arabischen Meer führt, wird kein Staat das Monopol über den Zugang haben 

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siehe:  In der Türkei ist nach Regierungsangaben ein Anschlag auf eine Gaspipeline aus Iran verübt worden, die Gaszufuhr sei gestoppt worden. Laut dem türkischen Energieminister Yildiz verursachte der nächtliche Angriff eine Explosion. 28.7.2015. Pipeline ist schon fertig.

Waren sicher die Russen 😉

Die geostrategischen Implikationen für die USA liegen auf der Hand: Amerika ist geographisch zu weit entfernt, um in diesem Teil Eurasiens eine beherrschende Rolle zu spielen, aber es ist zu mächtig, um unbeteiligt
zuzusehen. Alle Staaten der Region betrachten Amerikas Engagement als für ihr Überleben notwendig. Rußland ist einerseits zu schwach, um die Region wieder unter seine Herrschaft zu zwingen oder andere davon fernzuhalten, und andererseits zu nahe und zu stark, um ausgeschlossen zu werden.

Die Staaten, die Amerikas stärkste geopolitische Unterstützung verdienen, sind Aserbaidschan, Usbekistan und (außerhalb dieser Region) die Ukraine, da alle drei geopolitische Dreh- und Angelpunkte darstellen. Die Rolle Kiews bestätigt fraglos die These, daß die Ukraine der kritische Punkt ist, wenn es um Rußlands eigene künftige Entwicklung geht.

Warum jetzt der Atomvertrag mit dem Iran, den Israel so sehr bekämpft?

Letztendlich wird wohl die Zukunft Zentralasiens von noch komplexeren Umständen abhängen und das Schicksal seiner Staaten von  dem schwierigen Wechselspiel russischer türkischer, iranischer und chinesischer Interessen bestimmt sein.

Und natürlich von deren jeweiligem Verhältnis zu den USA. Oder nicht?