Hungerlohn für hippe Mode

Drei Modeblogger in Kambodscha

(28:37) WDR, Dienstag, 20. Oktober 2015

Für Klamotten und Kosmetik geben die drei jungen Modeblogger Frida, Anniken und Ludvig monatlich hunderte Euros aus. An neuen Trends wollen sie besonders nah dran sein. Wie und wo die Kleidung produziert wird, darüber haben sie nie nachgedacht – bis jetzt.

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Die Modeblogger begrüßen ihre neue Arbeitskollegin Sokry.

Die immer neuen Meldungen über unzumutbare Zustände für Textilarbeiterinnen, z.B. in Kambodscha, haben die drei Modeliebhaber verunsichert. Sie entschließen sich deshalb, sich selbst ein Bild zu machen. Für mehrere Wochen werden sie in einer kambodschanischen Textilfabrik zu denselben Bedingungen arbeiten wie die einheimischen Arbeiter/innen. Sie übernachten bei ihrer Kollegin Sokry, erfahren wie es ist, auf dem Boden zu schlafen und stellen erstaunt fest, dass es kaum möglich ist, sich mit einem Verdienst von 3 Dollar pro Tag satt zu essen.

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Die jungen Modeblogger sind von der schockierenden Erfahrung geprägt.

Anniken, Frida und Ludvig tauchen tief ein in ein völlig fremdes Leben und in die Hauptstadt Phnom Penh. Die drei jungen Leute machen eine schockierende Erfahrung, die ihre Leben nachhaltig verändert.

Deutsche Bearbeitung: Ingrid Terhorst.

Das Video lohnt sich.

http://www1.wdr.de/fernsehen/kultur/weltweit/sendungen/hungerlohnfuerhippemode100_ga-2_pic-3.html#gallery2

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Die geschilderten Umstände stimmen:

Das ist ja ein richtig guter Film!

stimmt alles. wobei die Arbeiterin ein Zimmer mit Toilette hat, für sich allein. 30 $ im Monat, mit Strom und Wasser 50 $.
Das ist nicht die Regel. 3 bis 4 teilen sich ein Zimmer, das dann grösser ist und 40 bis 50 $ kostet, das ist normal.

die hohen Nebenkosten kommen dadurch zustande, dass der Vermieter den Strompreis verdoppelt. ist hierzulande standard.
von 25 cent auf 50 cent.

7 tage die woche für 130 $ im Monat, das ist die realität.

6 Tage je 9 Stunden, und 140$ auch. Wenige Fabriken zahlen besser, viele zahlen nicht den Mindestlohn von jetzt 120 $.

der Mindestlohn wird ab Jan 2016 auf 140 $ erhöht, die Vermieter erhöhen jetzt die Mieten um 10 %.
Trotz Verbot durch ein Gesetz, welches die Mieten für 2 Jahre festschreibt.

8 $ je Monat muessen die Frauen im Schnitt bezahlen, um auf Trucks stehend zur Arbeit zu kommen.

ein Foto davon ist hier: 24.12.2015

(sie verlangen 148$, wohl wegen der 8 $ Transportkosten)

www.phnompenhpost.com/national/bavet-quiet-sez-workers-turned-away

Es ist sehr schön zu beobachten, wie zunächst die natürlichen Selbstschutz-Mechanismen greifen, „die kennen das ja nicht anders“, oder gar „aber die sind damit sicherlich zufrieden“,  und dann das Aufprallen mit der Realität recht drastisch ausfällt. Und entsprechend tränenreich. Auch Kambodscha ist keine Insel mehr, es gibt Youtube, es gibt Kinofilme die in den reichen Ländern spielen, es gibt Facebook. „die wissen dass sie gnadenlos ausgebeutet werden“.

Die Fabriken gehören nicht den Internationalen Modelabeln, sondern freien Fabrikanten, meist Chinesen, Südkorenaer, Thais, Japaner. Die US- und Europ. Modelabel stehen in keinem direkten Vertragsverhältnis mit den Arbeiterinnen. Weder in Kambodscha noch in den anderen Billigstlohnländern.

Einige Bekannte von mir haben ein sehr einträgliches Geschäftsmodell entwickelt: Sie machen das Qualitätsmanagement für Gucci, H&M & Co hierzulande. Ein Deutscher und ein Österreicher sorgen dafür, dass nur fehlerfreie Ware nach Übersee verschifft wird, denn es ist viel billiger, Fehlerhaftes schon hier zu finden, und nicht erst bevor es in Europa/USA in die Läden geht. Diese Leute zahlen ihre Angestellten wesentlich besser: 500 bis 1000 $ im Monat. Die Angestellten kommen meist aus dem Fabrik-Qualitätssicherungs-Management, wo sie auch schon ähnlich gut verdienten.

Für die 3 stylischen Norweger gilt:

Die merkwürdigste Weltanschauung haben diejenigen Leute, die sich die Welt nicht angeschaut haben. (zugeschrieben Alexander von Humboldt)

Die 3 dürften gründlichst kuriert sein, und die Welt jetzt mit anderen Augen sehen. Realistischer.

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Guten Rutsch. Man liest sich am 2.1.2016

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